Flanderns schöne seiten // Ausgabe 03 10.03.2010



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Essen & Trinken
Essen muss ein Fest sein
Die flämische Küche vereint französische Raffinesse mit burgundischer Reichhaltigkeit und macht selbst die Franzosen neidisch. So gibt es in Flandern auf den Einwohner gesehen mehr Michelin-Sterne als in Frankreich. Die Flamen sind wählerisch und bereit, für gute Qualität entsprechend tief in die Tasche zu greifen. Preisgünstige Restaurants sind in Flandern rar, dafür ist aufgrund der großen Konkurrenz die Topgastronomie im Vergleich zu Deutschland preisgünstiger. Essen muss ein Fest sein, vergleichbar einem Konzert mit dem Auftritt eines Virtuosen. Und an kulinarischer Virtuosität besteht kein Mangel, genießt doch ein Meisterkoch in Flandern mehr Ansehen als ein Minister.

Fisch und Meeresfrüchte
Das Meer ist nah und liefert Fisch, vor allem Seezunge und Scholle, Muscheln und Garnelen. Etwas besonders Feines ist die graue Nordseegarnele. Der intensive Geschmack und ihre zarte Konsistenz sind ein Genuss für den Gaumen. Ein Leckerbissen sind die Garnelenkroketten und die mit Garnelen gefüllten Tomaten.

Chicoree
Qualitativ hochwertig sind auch die Gemüse aus Flandern, vor allem der Chicoree. Dieses typisch belgische Gemüse wurde in Belgien entdeckt und ist vor allem im Winter ein beliebtes frisches Gemüse aus der Region. Ob als Salat, Gratin oder Suppe: bei über 50 Zubereitungsarten ist für jeden Gusto etwas dabei.

Bier
Mit über 500 verschiedenen Biersorten von der "Verbotenen Frucht" bis zum "Delirium Tremens" hat sich Belgien die Vielfalt mittelalterlicher Bierkultur bewahrt. "Das ist ja gar kein Bier", sagen so manche an Pils gewohnte Deutsche. "Stimmt", denn in Belgien schmeckt der Gerstensaft manchmal so spritzig wie Champagner oder so edel wie Wein. Jahrhunderte lang hat man auch in Deutschland aus fast allem Bier gebraut, bis das deutsche "Reinheitsgebot" die Einheit deutscher Braukunst verordnete. Zum Schutze der Verbraucher, denn manches, was man damals zusammenbraute, klingt heute nach Hexenküche und Alchemie. Aber der gesunde Menschenverstand erlaubt den belgischen Brauern, nur mit Naturprodukten wie Kirschen und Himbeeren zu brauen. Gerade in der Küche geben die Frucht- und Trappistenbiere eine unersetzliche, typische Geschmacksnote

Pommes
Wer sie einmal probiert hat, kann ihnen nie mehr widerstehen: den belgischen Pommes frites. Schätzungsweise 3000 Friterien stillen den Appetit der Flamen und der Touristen auf die knusprigen, goldgelben Stäbchen. Bis zu 30 verschiedene Soßen – von dem beliebten Klassiker Mayonnaise bis hin zur exotischen Samurai – setzen den Kartoffelsnacks ganz nach Geschmack die Krone auf.

In Brüssel essen die Parlamentarier mittags ihre ‚frietjes’ bei Chez Antoine - mitten im Europaviertel. In Antwerpen bietet die ‚Frituur Max’ neben den knusprigen Kartoffelsnacks sogar ein Museum zum Thema im oberen Stockwerk. Mit Sicherheit das einzige Museum, in dem der Verzehr von Fritten nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht ist! Und der Kunsthistoriker Paul Illegems hat bereits mehrere Bücher zum Thema ‚Frittenkultur’ verfasst. Der Belgier liebt seine ‚frietjes’ – und wir mit ihm!

Schokolade und Pralinen
Die "Praline" ist die Erfindung von Jean Neuhaus, dem Apotheker, der 1857 in Brüssel die erste Schoko-Praline der Welt entwickelte. Über zwölf Kilo Pralinen nascht der Belgier im Jahr. Es ist in Belgien üblich, bei einer Einladung statt Blumen eine Schachtel Pralinen zu überreichen - für die Gastgeberin eine moralische Verpflichtung, das geschmackvolle Mitbringsel ihren Gästen zum Dessert oder Kaffee anzubieten. Überall gibt es zahlreiche Pralinen der großen belgischen Praliniers, wie z.B. Neuhaus, Leonidas, Godiva... Aber die besten und teuersten Pralinen werden per Hand von Chocolatiers hergestellt. Diese Maitre Chocolatiers wie z.B. Marcoloni und Mary in Brüssel oder Burie in Antwerpen sind Künstler und haben ein hohes Renommee.

Belgisches Reinheitsgebot für Schokolade
Obgleich die EU im März 2000 entschieden hat, dass bis zu fünf Prozent Fremdfette der Schokolade beigemischt werden dürfen, halten die belgischen Chocolatiers an der teuren Kakaobutter fest und haben ein nationales Gütesiegel für ihre Schokoladen eingeführt.




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